Von der
Schützentradition in Badenhausen
Von Wilhelm Reißner,
nach Aufzeichnungen von Alfred Brinkmann
Nach eigenen Angaben der
Badenhäuser Schützen in einem Gesuch an den Landesherren vom Jahre 1804
erhielt "die hiesige Gemeinde... schon im Jahre 1599 die Landesherrliche
Erlaubnis zur Abhaltung eines jährlichen Freischießens." - Älter jedoch
als der Brauch, ein eigenes Schützenfest abzuhalten, war die Beteiligung
der Badenhäuser Schützen an einem gemeinsamen Schützenfest der Orte
Gittelde, Teichhütte, Badenhausen, Windhausen und Grund. Alle Orte
zusammen bildeten die Gittelder Schützengilde, deren Gründungsjahr nicht
genau bekannt ist. Doch muss dieses in die ersten Jahrzehnte nach 1500
fallen, da das Gittelder Freischießen von der Fürstin Elisabeth, geb.
Gräfin von Stolberg, Herzogin von Braunschweig-Lüneburg, eingerichtet
wurde.
Die Herzogin war die
Gemahlin des Herzogs Wilhelm des Jüngeren und erhielt nach dessen Tode
1503 das Amt Stauffenburg als Witwensitz. Als gepriesene Förderin des
Bergbaus und Hüttenwesens sorgte sie noch zu ihren Lebzeiten - sie starb
1521 - für die Einrichtung eines volkstümlichen Festes, des Gittelder
Freischießens. Einem Brief der Gittelder Schützenmeister zufolge
stiftete sie aus diesem Anlass "...den Einwohnern im Amte
Stauffenburg als Gittelde, Badenhausen und Windhausen und der Bergstadt
Krundt einen schönen silbernen Lewen zum Kleinot".
Einer späteren Schilderung des Amtmann Lindner nach war der Löwe "an
einer silbernen Kette hangend und mit Ruebin und anderen Steinen
besetzt". Mit diesem Kleinod wurde der
tüchtigste Schütze vor dem 30jährigen Kriege geehrt, wenn er "uff
den anderen Tagk in den Heiligen Pfingsten zu Gittelde stattgefundenen
Umschießen" den besten Schuss getan
hatte.
Eine von der Herzogin
bewirkte Schützenordnung mit 22 Punkten bestimmte, dass auch am folgenden
Dienstag geschossen wurde und am dritten Tage "nebenß dem Lewen
die
Fischerey-Krentzen zu beziehen"
sei. Dabei ist zu ersehen, daß das Schützenfest nebenbei alljährlich zur
Bestätigung alter rechte an der Sösefischerei benutzt wurde.
In den Nöten des
30jährigen Krieges ging der Löwe verloren, als er der Sicherheit halber
nach Osterode ausgelagert und dort dem Lösegeld zugeschlagen war, als
der Graf Merode aus der kaiserlichen Partei die Stadt zu stürmen und zu
plündern drohte. Nach dem Kriege ersetzte die Stadt Osterode zwar das
Kleinod, doch stand das neue dem alten bedeutend nach.
Die Nachkriegsarmut
beeinträchtigte auch das alsbald wieder aufgenommene Volksfest. Die
Einwohner der Amtsdörfer beteiligten sich nur in geringeren Maße, so daß
sich die Schützenmeister an den Herzog August mit der Bitte wandten, dem
Gewinner des Löwen eine Geldzuwendung zukommen zu lassen, da dieser
armutshalber oft außerstande sei, die Pflich des "Spendierens" erfüllen
zu können. Auch der Amtmann befürwortete das Gesuch, schlug aber der
Regierung gleichzeitig vor, das Fest auf einen anderen Tag zu legen,
damit das Pfingstfest nicht entheiligt werde. Dem Ersuchen wurde 1658
mit der Bedingung entsprochen, dass nach dem jährlichen Schießen der
Silberne Löwe beim Amte Stauffenburg aufbewahrt werden sollte.
Eine neue
Schützenordnung der Gittelder Schützengilde wurde von dem Herzog 1622
bestätigt. Sie enthielt 27 Punkte; einige seien als wichtigste
aufgeführt:
"Eines Tages vor dem Feste sollen 2 junge Schützen
beneben dem Schueldiener herumbgehen, die alten Schützen, wie auch
Jungfern, so viele sie dehren zum Schützenfeste begehren, invitiren und
einladen.
Es soll auf den Tag, wan geschossen, die Trummel(trommel)
umbgeschlagen und durch den Trummelschläger ausgerufen werden, wer Lust
und Liebe mitzuschießen, oder mit den Schützen zu zehren, soll sich amm
Ohrdt einfinden, da das Schützengelage gehalten wird.
Schießen mit ausgesteckten Arm ist verboten.
Der Löwe wird von dem, der ihn gewinnet, alle hohen
Festtage, oder wenn er in die Kirche gehet, getragen und angehenget,
item bei Gevatterschaften und Hochzeiten am Hals getragen, bei Strafe
ein faß Bieres.
Es ist gepräuchlich, daß, der den Löwen gewinnet, ein
gelten Schinken vor sämtlichen Schützen spendieret.
Wer nun den Löwen gewinnet undt etwa denselben Nothalben
versetze, soll derselben nicht allein den Löwen wiederumb herbeyschaffen,
sondern ohne alle Gnade 1 faß Bier Straffe den sämtlichen Schützen
geben.
Wer mit gewundenen, geschraubeten und gereischeten
Röhren, auch geschwertzete Kugeln würde schießen, der soll mit einer
hohen geltstraffen belegt undt vom Schießplatze abgewiesen werden.
Welcher Schütze auch bey diesem Schießen unter 4 Schüssen
nicht einmal die Scheibe würden treffen, dafür soll derjenige die
Pritsche halten."
Wie die beteiligten
Gemeinden eingeladen wurden, zeigt ein Schreiben der Schützenmeister an
die Badenhäuser Schützenbrüder:
"Wohl Ehren Feste, Insbeonders vielgeehrte Herren und
Nachbarlich gute Freunde!
Als von der Scützengesellschaft resolviert und
festgestellet worden, daß künftige Johanni der Löwen und Wiesen
Schützenhoff soll gehalten werden, als werden dieselben allerseits
hiedurch citiret und geladen, obbemelten Tages gewiß umb sonsten
angethan wird werden, vorlieb zu nehmen, solches ist man in derogleichen
Begebenheiten zu erwidern stets willig und bereit, und wir verbleiben
ihre dienstwillige und gute Freunde.
Gittelde, den 18ten Juny 1698
Anreas Teime
Jürgen Mehwers,
Schützenmeister
P:S: Es ist von den sämbtlichen Herren Schützen
beschlosse, daß nur ein Tambour und ein Parth Hausleuthe sollen zur
Aufwartung genommen werden, damit die Unkosten nicht zu hoch kommen.
Sonsten wird Ihnen auch kundt gethan, daß sie Hanß Wilhelm Zwikkern
hinterbringen, das er sich des Schießens, bis seine Sache ausgemacht und
sich mit der Schützengesellschaft abgefunden, enthalten soll.
Denen Wohl Ehren und wohl geachteten Herren
Schützenmeisters und sämtlichen Schützen Brüdern zu Badenhausen, Unsern
Nachbahrlichen guten Freunden in Badenhausen."
Der
Schluss des
Schreibens bestätigt die häufig auftretenden Streitigkeiten mit den
Teilnehmern der eingeladenen Nachbarorte, obwohl vor Beginn des
Schießens regelmäßig die gesamte Schützenordnung verlesen wurde. - 1765
beantragten die Badenhäuser, es möchte nur mit gezogenem Gewehren
geschossen werden, da wegen der Verschiedenartigkeit der Rohre
alljährlich Uneinigkeiten und Schlägereien vorfielen. Und 1755 wollten
die Gittelder dem Badenhäuser Bestmann den Löwen nicht zuerkennen. Das
Ende diese Streites war eine gerichtliche Klage. - Den Vorwurf, sie
seien nur auf ihren Vorteil bedacht, bekamen die Gittelder gelegentlich
auch von anderer Seite zu hören. Sie waren jedoch bei der damaligen
Situation als Gastgeber wirklich nicht zu beneiden.
Der Zank entwickelte
sich zu solchen Ausschreitungen, dass die Ortsgeistlichen und
Amtleutezuweilen Grund hatten, sich bei der Regierung über die
Untertanen zu beklagen. So meinte der Amtmann Lindtner, daß "beim
Schützenhof viel mutwillen von den jungen pursen verübet"
werde. 1769 gar wurde das Gittelder Freischießen auf eine Reihe von
Jahren verboten, weil es nach der Meinung der Obrigkeit zu nichts
weitertaugte, als dass "saufgelage" dabei angestellt würden und der "Tag
des Herrn" (Sonntag) dadurch entheiligt werde.
Der Amtmann Reinecke
dagegen war 1763 um den Bestand des Freischießens besorgt, als er
anführte: "Dieses sogenannte Löwenschießen ist wohl ohne Zweifel
zu dem Ende primarie (anfangs) verstattet, daß sich die junge Mannschaft
mit dem Gewehre exerciren solle, um bey sich ergebender Krieges-Gefahr
deren Beyhölff die Pässe, sonderlich am Hartze, besetzen zu können.
Secundarie (dann) aber, das bey dieser Gelegenheit die Fischerei
hiesigen Ambts bezogen werden solle, gestalt die Alten noch versichern,
daß vordem aus diesen Orten 300 Mann aufgezogen, so im schießen geübet,
und im 30-jährigen Kriege dem Feinde im Hartz beständigen Abbruch gethan.
Vor jetzo aber nimbt diese Schützengesellschaft von Jahren zu Jahren ab,
da die Leute nicht mehr so viel auf die Ehre des gewonnenen Löwens als
aud den Genuß des Gewinstes sehn, und werden 40 Schützen mehr seyn, daß
ich fest glaube, es werde diese Anordnung mit den Jahren gar zu Grunde
gehn, wo nicht ein anderer Mittel zur contentirung (Befriedigung) der
Leute gestellet werde,und würde es schon hinlänglich seyn, die sämtliche
Interessenten in Uebung des Schießens zu bringen, wenn Ew. Exc. etwa 1/2
jährl. Contributions-Freyheit dem besten Schusse beylegten, als wohin
eigentlich der Supplicanten (Bittsteller) Gedanken gehen und nach
proportion des Contribuentens (Steuerpflichtigen) des Jahres 3 bis 10
Reichstahler tragen würde."
Die in dem Schreiben
aufgeführte schlechte Beteiligung an dem Gittlelder Freischießen hatte
also verschiedene Gründe. An die Stelle der Ehre war die Gewinnsucht
getreten, die den Streitigkeiten nach zu schließen die Schützen sogar,
mit unlauteren Mitteln zu arbeiten. Das wiederum schaffte neuen
Unfrieden und wird dazu beigetragen haben, dass die Nachbarorte dem
Schützenfeste fernblieben, wie es z.B. von den Teilnehmern aus Grund
bekannt ist. Bei diesen betrüblichen Zuständen mag der Vorschlag der
Amtmanns Reinecke, den Schützenkönig ein halbes Jahr lang von den
Kontribution (Steuer) zu befreien, der einzig rettende Gedanke für das
Gittelder Freischießen gewesen sein, zeigt aber gleichzeitig, wie auch
in alten Zeiten materielles Denken das ideelle verdrängte.
Die misslichen
Verhältnisse wurden durch das Gedankengut und Geschehen der
französischen Revolutionszeit nicht gerade begünstigt. Die
Landesregierung mag nicht nur wegen der eingerissenen Auswüchse bei den
Schützenfesten eine alljährliche Genehmigungsverteilung angeordnet,
sonder wird auch aus Gründen der Sicherheit im eigenen Interesse
gehandelt haben. Anfangs des 19.Jahrhunderts waren deshalb anscheinend
alle Schützenfeste im braunschweigschen Lande aufgehoben worden.
Als die politische Lage
sich in der Zeit der Fremdherrschaft (1806-1813) völlig verändert hatte
und innerhalb des
"Königreichs Westphalen" das Amt Stauffenburg aufgehört hatte zu
bestehen, wurde auch dessen Schützengilde aufgelöst. Am 10.Dezember 1812
gab das Friedensgericht zu Seesen den Gittelder Schützen auf, den aus
dem Verband ausscheidenden Nachbargemeinden eine gewisse Summe für ihren
Anteil an dem Löwen auszuzahlen. In den Jahren nach der Befreiung von
napoleonischer Fremdherrschaft wurden in den einzelnen Orten
Gittelde, Grund, Windhausen und Badenhausen eigene Schützengesellschaften
gegründet, die nun ihr Schießen ohne die benachbarten Rivalen
durchführten.
Der bereits am Anfang
angeführten Eingabe der Badenhäuser Schützen zufolge, feierten diese
schon in alten Zeiten (1599)ihr eigenes Schützenfest, hatten sich aber
außerdem jährlich am Gittelder Freischießen beteiligt. Eine Notiz der
Dorfbeschreibung von 1763 besagt, dass das Badenhäusener Schützenfest in
jener Zeit auf den "Ober Hüttischen Wiesen" stattfand. Es heißt da:
"Die obere Hüttewiese wird für 2 1/2 Thaler jährlich verpachtet, das
Aufkommen wird der Schützengesellschaft, welche hier jährlich das
Freischießen hällt, zum Bestengegeben" - Die alte Dorfkarte von 1763
zählt die Wiesen am Fuße der Hindenburg am Söseknie bis zur "Alten
Heerstraße" beiderseits des aus den "Bruch Wiesen" kommenden
Wassergraben noch mit zu den "Ober Hüttischen Wiesen". Es ist also
durchaus berechtigt anzunehmen, dass die Schützenfeste von alters her
bis in unsere heutige Zeit am gleichen Orte abgehalten wurden, wenn auch
eine geringfügige räumliche Änderung eintrat, als 1959 der alte
Festplatz unmittelbar an der Straße zum Kleinbahnhof zugunsten des an
der Söse gelegenen neuen Platzes aufgegeben wurde.
Wenn angenommen wird,
dass die Schützenfeste im eigenen Dorfe ohne Auswüchse stattfanden, wie
sie bei den gemeinsamen in Gittelde auftraten, so ist das ein Irrtum.
1715 klagte der Badenhäuser Pastor Knoblauch dem Herzog: " Damit
der Teufel weise, wie er die Menschen in Stricken habe und alle
menschliche und geistliche Hilfe verspottet, hat man contra manifestum
Edictum Serenissimi /gegen den Erlaß des Landesherrn) DNCA 11p.T.a.c (am
11. Sonntage nach Trinitatis d. J.) zu Badenhausen Schützenhof
angestellet, dabey denn viel Sünde und schröcklich Saufen und Schwelgen
vorgehet, welches das gemeine Volck Tag und Nacht durch treibet und den
folgenden Montag noch fortsetzet." -
Das nach solchen Worten der Pastor Anfeindungen ausgesetzt war, ist
nicht weiter verwunderlich. Immerhin durften die Badenhäuser ihren
Schützenhof weiter feiern, als das Gittelder Freischießen zeitweilig auf
obrigkeitlichen Befehl ruhte.
Die Erlaubnis, das Fest
abhalten zu dürfen, mussten die Badenhäuser Schützenmeister jedoch
jährlich aufs neue einholen. Die dabei angeführten Argumente wurden
dabei sehr geschickt ins Feld geführt. 1774 schrieb der Schützenmeister
Wachsmuth: "Wohlgeborener, Hochgelahrter, insonders
Hochzugebitender Herr Cammerrath! Ew. Wohlgeboren wird annoch in hohen
Andenken geruhen, das Hochdieselben uns alljährlich die Erlaubnis
verstattet haben, das wir einen kleinen Schützenhof haben halten dürfen,
wofür wir nochmahlen unsere unterthänige Dancksagung ablegen. Da wir nun
wiederum dieses Jahr der willens meinung sind, morgen über 8 Tagen oder
wie es uns vergönnt werden will, solchen halten zu dürfen, damit
hiesigen Crähmer, Beckers und Müller, welche sich dazu bereitet haben,
um bey den schlechten Zeiten und schweren Wein- und
Brandtweins-Accise-Pachten ein wenig Nahrung dabey gewinnen mögten." -
Auch das Bittgesuch con 1804 rückte das
Positive der Schützenfeste recht augenfällig in den Vordergrund. Es
heißt da: "... Wenn es auf die Vertheidigun des Vaterlandes
(Braunschweig!) ankömmt: so ist es doch auch nicht unnütz, wenn sie (die
Schützen) mit dem Schießgewehr umzugehen wissen und einige Übung in dem
Scheibenschießen erlangt haben. - Wenn bei einem Kriege in der
Geschwindigkeit eine Truppenvermehrung vorgenommen werden soll und
besonders, wenn in continenti (fortlaufend) Truppen Corps errichtet
werden sollen, so ist es geweiß von größtem Nutzen, wenn die dazu
Angeworbenen schon im Scheibenschießen geübt sind, wie dies Erfahrung
sehr oft bewiesen hat." - Und weiter
:"... auch der ärmste Mensch wünscht sich doch einen vergnügten Tag im
Jahr. Die hiesigen ärmere Menschenclasse kennt kein anderes Vergnügen
als das Freischießen, und wenn sie dabei einige Groschen aufwenden, die
ihnen auf eine andere Weise nützlicher werden könnten, so sind sie
Menschen, die wenig Freude in der Welt haben und also gern an dem
einzigen Volcksfeste Theil nehmen, was sie für ihre Glückseligkeit
wesentlich nothwendig erachten. Und! wenn ihnen dieses Vergnügen wird,
wenn sie in ihrem Wohnort kein eiziges Volcksvergnügen finden, so sucen
sie es sich auswärts und tragen ihre kleine Ersparung an einen anderen
Ort, weil sie nicht alles Vergnügen entbehren können und wollen. Wenn
indessen auch die Unvermögenden etwas bei dem Freischoeßen aufwenden,
was denselben anzuschaffen beschwerlich wird: so gewinnt doch die
hiesige erwerbende Menschenclasse durch das Freischießen so viel, daß
der vorerwähnte kleine Nachteil dadurch sehr überwogen wird.
Dei hiesigen Kaufleute,
Becker, Fleischer, Krüger und überhaupt alle Handwerker gewinnen durch
das Freischießen beträchtlich. selbst die Landwirtschaftlichen Cassen
und die Brauers des Fleckens Gittelde gewinnen an Accise, Steuer und
Bierseillung, und der dadurch bewerkte Erwerb wird nicht von Ew. Herzogl.
Durchlaucht Unterthanen, sondern Hannöverschen Unterthanen genommen.
Das Dorf Badenhausen ist ganz von den Hannöverschen
Landen umgeben und hängt nur von einer Seite mit denen übrigenAmt
Stauffenburgischen Ortschaften zusammen. Von ihnen wird unser
Freischießen wenig besucht. Aber von dem Harze, aus der Stadt Osterode
und vielen umliegenden Hannöverschen Dörfern strömen Theilnehmer an
unserem Volcksfeste herbei, verzehren hier beträchtliche Summen und
bringen uns Vortheil und Gewinn."
Wurde das
Bittgesuch
abgelehnt, dann versuchte man die Regierung mit einem zweitem Schreiben
umzustimmen. Gelang auch das nicht, so wurde häufig trotz des Verbotes
gefeiert. wie es die Vorfahren schon immer getan hatten.
Trotz aller
Einschränkungen und Verbote lebte das Badenhäuser Schützenfest immer
wieder auf und gestaltete sich zu einem wahren Volksfest, das niemand
mehr entbehren mochte.. 1821 waren 2 Weinzelte, 2 Bierzelte und 1
Tanzzelt aufgebaut. 1823 war sogar ein "Cassell" (Karusell) auf dem
Festplatz, ein "Linientänzer" (Seiltänzer) und "Kirscheweiber"
versuchten, das Geld locker zu machen. Spätere berichte reden von
Komödianten, Handelsjuden, Galanteriewarenhändler, "Garköchen" und immer
wieder von Karussellbesitzern. Die Krönung solcher Schützenfeste, die im
19. Jahrhundert schließlich im dreijährigen Wechsel mit Gittelde und
Windhausen stattfanden, war gelegentlich auch ein abgebranntes
Feuerwerk. Um auf diese Veranstaltung aufmerksam zu machen, wurden sie
im "Osteroder Inteligenzblatt" bekannt gemacht.
Obschon die Gastwirte
den Hauptprofit davontrugen, ist aus den Rechnungen, die die
Schützenmeister erhielten, doch zu ersehen, dass es in der Tat manche
Badenhäuser Handwerker und Häuslinge gewinnbringende Arbeit durch das
Schützenfest hatten. - Sehr oft musste das "Clemenshaus" repariert
werden, das seinem Namen von dem "Husaren Clemens" - einer alten
Holzfigur - bekam, die den besten Schuss anzeigte. 1866 wurde der Husar
und sein Gegenstück - das "alte Weib" - frisch "aufgemalt und lackiert".
Beide Figuren, an denen sich die Badenhäuser jahrzehntelang ergötzten,
wurden als Raritäten im Schützenhaus aufbewahrt.
Als besonderes Ereignis
galt das Konzert der Trompeter des Herzogl. Braunschw. Husarenregiment
Nr. 17 auf dem Schützenfest 1872, das sogar in der "Braunschweiger
Zeitung" durch Inserat bekannt gemacht wurde.
am ersten Tage des
Schützenfestes 1914 traf die Nachricht von der Ermordung des
österreichischen Thronfolgers ein. Wenige Wochen später zogen viele
Festteilnehmer in die Schlachten des 1.Weltkrieges nach Frankreich. und
Russland. Ob sie wohl beim letzten Schützenfeste daran gedacht hatten,
dass sie genötigt werden konnten, die Worte ihrer vor über hundert Jahre
lebenden Schützenmeister im umfassenderen Sinne in die Tat umzusetzen,
die diese im Bittgesuch von 1804 zur Begründung des Schützenfestes
gebraucht hatten? - Das Vaterland war nun nicht mehr allein
Braunschweig, sonder ganz Deutschland. Das bittere Ende des Krieges aber
musste den Zurückkehrenden wie ein enttäuschender Betrug vorkommen. Und
so ist es nicht verwunderlich, dass die Nachkriegsjahre von politischen
Wirren gekennzeichnet waren, in denen das Badenhäuser Schützenfest nicht
gedeihen konnte. Doch merkte man dem Fest 1926 nicht mehr an, dass sich
die Dorfbewohner noch vor wenigen Jahren in ihrer Parteileidenschaft
bitter bekämpft hatten..
Mit der Machübernahme
Hitlers wurde die Schützengesellschaft Badenhausens 1933
"gleichgeschaltet". Sie wurde dem Deutschen Schützenverband angegliedert
und war damit Mitglied des NS-Reichsbundes für Leibesübungen. - Das Ende
des "Dritten Reiches" im 2.Weltkriege war noch verheerender als das Ende
des vorhergehenden. Die Diffamierung aller Deutschen, vor allen Dingen
jener, die ein Gewehr in der Hand gehabt hatten, kannte keine Grenzen.
Die "Umerziehung" durch die Siegermächte ließ die Hoffnung auf ein neues
Schützenfest nicht aufkommen. Gesunder Menschenverstand beendete auch
dieses leidige Kapitel der ersten Nachkriegsjahre. doch bedurfte es
handfester Beweise und langwieriger Verhandlungen, bis die Einsicht
gewachsen war, dass das Badenhäusener Schützenfest nichts mit
Militarismus zu tun hatte, sondern Ausdruck einer Tiefverwurzelten
Tradition ist.
Der wirtschaftliche
Aufschwung nach dem Währungsschnitt 1948 und der allgemeine technische
Fortschritt machten in den letzten Jahren deutlich, dass der alte
Schießstand den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht wurde. So
konnte für das Schützenfest 1964 eine neue Schießanlage (vier
Schießbahnen mit automatischen Scheibenzug) unter maßgeblicher
Beteiligung der amtierenden Schützenmeister Robert Beulshausen und
Wilhelm Limburg und der freiwilligen Eigenhilfe der Schützenbrüder und
der Mitglieder des Schießclubs fertig gestellt werden.
Im großen und ganzen
verläuft das Schützenfest heute wie in alten Zeiten. Immer noch kündigen
Pfeifer und Trommler das Fest an, und die Festfolge verläuft nach altem
Brauch. Die Fahnen, Schützenmeister und der Bestmann werden mit Musik
eingeholt und der Festzug mit dem voraustanzenden "Peias" nimmt seinen
weg durch Badenhausen und die Hüttenorte. Das Fahnenschwenken und
Präsentieren vor den Häusern der Offiziere und Fähnriche wird mit
Freibier quittiert.
Das Symbol der
jahrhunderte alten Schützentradition die Badenhäuser Schützenkette. Ihr
Hauptstück ist der silberne Löwe aus dem Jahre 1664, der eine Nachahmung
des im 30jährigem Kriege verloren gegangenen "Originallöwen" ist. 1767
ließ der Kommuionsägemüller Joh. Freidr. Liesmann den Badenhäusener
Löwen mit einem silbernen Kranze umrahmen. Ein zum Löwen gehörendes
Schild trägt das Wappen der Herzogin Elisabeth: Einen Hirsch und zwei
Fische. Die Umschrift lautet: " Elisabeth, Herzogin von
Braunschweig und Lüneburg, Gebohrene von Stolbergk.
auf der anderen Seite ist zu lesen:
"Diesen Löwen haben die Gemeinde in Badenhausen, Ober und
Neuhütte machen Lasen Anno 1664. Dazu hat Harm Müchen, der Krüger, einen
Taler geben. - Schützenmeister Harmen Zwicker und Heinrich Römermann."
Im 18.Jahrhundert wurde
es Sitte, dem Löwen Silberschilder hinzuzufügen, die Namen und Stand der
jeweils besten Schützen der Nachwelt verkünden. Inzwischen sind es 40
Schilder geworden. - Sie seiehen hier der Reihe nach aufgeführt: 1768
Ernst Römermann, 1769 C. Roth, 1781 A.J. Mügge, 1787 J.Z. Vollbrecht,
1794 Joh. Christ. Friedrich Wecke, 1795 J.G.J. Liesmann, 1803
J.A.Böhleke, 1810 Johann Andreas Hoffmann, 1816 I.L. Gremse, (1817?)
zahl fehlt Simon Heinrich Römermann, 1818 C.M. (Conrad Mackensen?), 1824
M.C. Mäver, 1830 H.A. Keidel, 1830 Chr. Fr. Schütte, 1840 Gottfried
Wiese, 1851 W.Römmermann, 1858 W.Geffers, 1868 Erinnerung an Gottlieb
Gremse von seinem Sohne Christian Gremse, Philadelphia N.A.
(Nordamerika), 1872 Z. Römermann, 1875 August Roddewig, 1884 Louis
Hesse, 1886 Kreisdirector Lerche in Gandersheim durch H. Lautenbach,
1897 Willi Klapprodt, 1900 Gottfried Oppermann, 1903 Wilhelm Fedder,
1905 August Diekmann, 1908 Wilh. Berner, 1911 Fritz Beulshausen, 1914
Ludwig Apel, 1926 W.Wickmann, 1929 W. Spillner, 1935 August Oppermann,
1939 Robert Weber, 1952 Harald Lauterbach, 1955 Ernst Siedentopp, 1958
Siegfried Haase, 1961 Manfred Armbrecht, 1964 Folkmar Apel, 1967 Erich
Schütte.
Während des 2.
Weltkrieges wurde die Schützenkette im Panzerschrank des Fabrikanten
Hans Roddewig aufbewahrt. Der Schrank wurde 1945 von den
Besatzungsmächten aufgebrochen und dabei besonders das zum Löwen
gehörende Schild stark beschädigt, so dass die Gravierung jetzt nur noch
zum Teil lesbar ist. Die Schützenschilder waren auseinander gerissen und
mussten aus dem Kehricht wieder aufgelesen werden. - Heute sind die
größten Schäden wieder behoben worden; die noch sichtbaren aber erinnern
zukünftigen Generationen an einen unglücklichen Zeitabschnitt der
deutschen Geschichte.
(Quelle:1000 Jahre Badenhausen 968-1968: Wilhelm
Reißner)